„KONCESIJA“ | „VERRAT“ DER HEIMISCHEN BAUKUNST | 11.02.2026 | MARTIN E. EGGEL
Persönliche Kritik an der Ausrichtung des österreichischen Pavillons bei der 20. Architekturbiennale 2027 in Venedig. Kritik am Projekt „Koncesija“ und vor allem an der Aufgabe der nationalen Repräsentation.
DIPLOMATIE STATT ARCHITEKTUR, GASTRECHT STATT EIGENLEISTUNG
Kapitulation vor dem Repräsentationsauftrag
Die Entscheidung, den österreichischen Pavillon für 2027 faktisch „abzugeben“, kann als kulturpolitischer Offenbarungseid gewertet werden. In einer Phase, in der die heimische Architekturbranche mit massiven Krisen - vom Baustopp im sozialen Wohnbau bis zur Bodenversiegelung - kämpft, verzichtet das Ministerium darauf, diese brennenden österreichischen Themen auf der wichtigsten Bühne der Welt zu verhandeln. Es stellt sich die Frage, warum das Budget und der Raum der Republik Österreich nicht dazu genutzt werden, die Exzellenz und die Problemlagen des eigenen Landes sichtbar zu machen.
Architektur als "Dienstmagd" der Außenpolitik
Die Bestellung wirkt wie eine Entscheidung der Diplomatie, nicht der Baukunst. Indem man den Pavillon als „diplomatisches Parkett“ definiert, wird Architektur zur bloßen Kulisse für eine „Gutmenschen-Geste“ degradiert. Kritiker monieren, dass hier Identitätspolitik über baukünstlerische Relevanz gestellt wird. Anstatt einen Diskurs über die Zukunft des Bauens in Österreich zu führen, flüchtet man sich in eine historische Aufarbeitung der Beziehungen zu Bosnien.
Das Paradox der Großzügigkeit
Es ist eine bittere Ironie: Während junge Architekten in Österreich kaum noch Aufträge erhalten und die Baukultur erodiert, leistet sich der Staat den Luxus, seine prestigeträchtigste Ausstellungsfläche zu verschenken. Diese Form des „Kuratorischen Altruismus“ auf Kosten der heimischen Fachwelt ignoriert, dass der österreichische Pavillon primär dazu dient, die Leistungsfähigkeit der lokalen Architekturlandschaft zu demonstrieren – und nicht, um als Immobilienmakler für benachteiligte Staaten aufzutreten.
Flucht in die Symbolik statt realer Auseinandersetzung
Statt sich den harten Fragen der Architektur (Ressourcenknappheit, Klimawandel, Leerstand in Österreich) zu stellen, wird ein symbolträchtiger, aber fachlich sicherer Weg gewählt. Die Beschäftigung mit dem Hotel Holiday in Sarajevo mag historisch interessant sein, bleibt aber eine Themenverfehlung, wenn dadurch der Diskurs über die akuten baulichen Missstände zwischen Wien und Vorarlberg komplett verstummt.
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STELLUNGNAHME ZUM "BAUWEISENZUSTAND" | 29.01.2026 | MARTIN E. EGGEL
Der folgende Text beschreibt lediglich das persönliche Empfinden von Martin E. Eggel zu Thema „Bauweisen“. Zudem bezieht sich die Aussage in erster Linie auf den ostösterreichischen Raum und ist keinesfalls zu verallgemeinern.
Vergangenheit | Auflehnung
In der Nachkriegszeit kam es zur Auflehnung durch Architekten mit dem Ziel, vorherrschende Strukturen aufzubrechen. Es entstanden Architekturströmungen, vor allem in Graz und Wien, wie beispielsweise der Dekonstruktivismus. „Auffallen“ war der Tenor; der rechte Winkel wurde abgeschafft. Architektur wurde in erster Linie als Kunst begriffen, die Zweckmäßigkeit stand nicht primär im Vordergrund. Es kamen in erster Linie die Materialien Glas und Stahl zum Einsatz. Materialien wie Holz, die traditionell stark im ostösterreichischen Raum verankert sind, kamen so gut wie gar nicht zum Einsatz. Die dekonstruktivistischen Gebäude waren „kühl“. Behaglichkeit wurde in diesen Gebilden häufig nicht empfunden.
Gegenwart | Spaltung
Es entstand eine Gegenbewegung. Man orientierte sich am westösterreichischen Raum und forcierte den Holzbau auch in Ostösterreich. Der Holzmassivbau entstand. Industriell vorgefertigte Brettsperrholzplatten mussten auf der Baustelle lediglich nur noch versetzt werden. Diese Bauweise wird nach wie vor stark forciert, hat aber mit dem klassischen Zimmermeister Handwerk nur am Rande zu tun. Die klassische Massivbauweise wird verpönt. Auch der Stahlbau kommt nur am Rande zum Einsatz, obwohl es in Ostösterreich eine Stahlbautradition gibt. Dieser Entwicklung muss etwas entgegengesetzt werden.
Zukunft | Verbindung
Damit dies gelingt, sind alle gefordert: Architekten, Ziviltechniker, Hochschulen und Universitäten, aber auch die ausführenden Firmen, planenden Baumeister und natürlich die Interessenvertreter der Lobbys. Nur wenn alle zusammenarbeiten und Zusammenhalt signalisieren, kann Großes entstehen. Es muss nicht immer der Holzmassivbau sein; man darf auch mit Ziegel oder Beton bauen. Ebenso ist der Einsatz von Stahl und Glas legitim – oder möglicherweise eine Kombination unterschiedlichster Materialien. Nicht nur der Holzmassivbau ist baukulturell und architektonisch wertvoll. Ich fordere alle im Bauwesen beteiligten Personen auf, gemeinsam den „Bauweisenzustand“ zu verbessern.
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STELLUNGNAHME ZUM "WOHNZUSTAND" | 21.01.2026 | MARTIN E. EGGEL
Der folgende Text beschreibt das persönliche Empfinden von Martin E. Eggel zum Thema „Wohnen“. Die Aussagen beziehen sich in erster Linie auf den ostösterreichischen Raum und sind keinesfalls zu verallgemeinern.
Vergangenheit | Auflehnung
In der Nachkriegszeit kam es zur Auflehnung durch Architekten mit dem Ziel, vorherrschende Strukturen aufzubrechen. Es entstanden Architekturströmungen, vor allem in Graz und Wien, wie beispielsweise der Dekonstruktivismus. „Auffallen“ war der Tenor; der rechte Winkel wurde abgeschafft. Architektur wurde in erster Linie als Kunst begriffen, die Zweckmäßigkeit stand nicht primär im Vordergrund. Diese Entwicklung wurde auch im Wohnbau spürbar: Wohnungen waren teilweise nicht mehr gut nutzbar. Zudem stiegen durch diese Entwicklung die Bauwerkskosten, diese waren für Private, aber auch für Genossenschaften vielfach nicht mehr leistbar. Dadurch kam es zu einem Auseinanderdriften der gelieferten Wohnqualitäten zwischen Bauträgern und Genossenschaften, aber auch bei den privaten Bauträgern untereinander.
Gegenwart | Spaltung
Es entstanden einerseits hochwertige Wohnungen, welche jedoch für die mittlere Einkommensschicht nur schwer erschwinglich waren. Andererseits entstand Wohnraum, welcher meiner Meinung nach in schlechter bautechnischer, aber auch baukultureller Qualität ausgeführt wurde. Die „Schuhschachtel“ war geboren! Zudem brachte diese Entwicklung mit sich, dass die Planenden immer häufiger zu „Dienstleistern“ herabgewürdigt wurden – zu „Erfüllungsgehilfen“ der Auftraggeber. Dieser Entwicklung muss etwas entgegengesetzt werden.
Zukunft | Verbindung
Damit dies gelingt, sind alle gefordert: Architekten, Ziviltechniker, Hochschulen und Universitäten, aber auch private Bauträger und Genossenschaften. Nur wenn alle an einem Strang ziehen, kann eine Zeitenwende passieren. Nur wenn alle zusammenarbeiten und Zusammenhalt signalisieren, kann Großes entstehen. Wohnraum muss für die gesamte Gesellschaft erschwinglich und möglichst hochwertig sein – sowohl aus bautechnischer als auch aus baukultureller Sicht. Hochwertiger Wohnraum für alle! Ich fordere alle im Wohnbauwesen beteiligten Personen auf, gemeinsam den „Wohnzustand“ zu verbessern.
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STELLUNGNAHME ZUM "BAUZUSTAND" | 17.01.2026 | MARTIN E. EGGEL
Der folgende Text beschreibt lediglich das persönliche Empfinden von Martin E. Eggel zu den Themen Baukultur, Architektur und Bauwesen. Zudem bezieht sich die Aussage in erster Linie auf den ostösterreichischen Raum und ist keinesfalls zu verallgemeinern.
Vergangenheit | Auflehnung
Ab der Nachkriegszeit kam es zur Auflehnung durch Architekten mit dem Ziel, vorherrschende Strukturen aufzubrechen. Es entstanden Architekturströmungen, vor allem in Graz und Wien, wie beispielsweise der Dekonstruktivismus. „Auffallen“ war der Tenor; der rechte Winkel wurde abgeschafft. Architektur wurde in erster Linie als Kunst begriffen, die Zweckmäßigkeit stand nicht primär im Vordergrund. Diese Entwicklung führte zu einer Spaltung zwischen Planenden und Ausführenden sowie Architekten und planenden Baumeistern!
Gegenwart | Spaltung
Heute wird Architektur oft als etwas Elitäres und nicht Zweckmäßiges wahrgenommen. Der Architekt plant für die Elite, der Baumeister für die restliche Gesellschaft – eine sehr kritische Entwicklung. Zudem wird das „Neue“ oft als Allheilmittel gesehen, während bestehende Gebäude häufig nicht erhalten werden. Dieser Entwicklung muss etwas entgegengesetzt werden!
Zukunft | Verbindung
Damit dies gelingt, sind alle gefordert: Architekten, Ziviltechniker, Hochschulen und Universitäten, aber auch die ausführenden Unternehmen und die planenden Baumeister. Nur wenn alle gemeinsam an einem Strang ziehen, kann eine Zeitenwende gelingen. Nur wenn alle zusammenarbeiten und Zusammenhalt signalisieren, kann Großes entstehen. Architektur und Baukultur müssen für die gesamte Gesellschaft begreifbar sein. Die Verankerung der Baukultur im gesellschaftlichen Kontext muss das Ziel sein. Ich fordere alle im Bauwesen beteiligten Personen auf, gemeinsam den „Bauzustand“ zu verbessern!
